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Gran Canaria - Tag 1

17.12.2018
Nicht mein erster Flug zu einer Radreise und trotzdem hab ich erneut Bange auf mehreren Ebenen.

Beim letzten Flug (Schottland) gab es sowohl auf dem Hinweg wie auch auf dem Rückweg Probleme mit der Verladung meines Bikes. Dieses mal verzichte ich auf einen Karton und habe das Bike nur in Folie eingewickelt. Das hat mehrere Vorteile:

  1. Das Gewicht sinkt um 7kg ohne Karton
  2. Dadurch können mehrere Dinge, wie z.B. Lenkerrolle und Zelt mit ans Bike verbaut werden.
  3. Das Flughafenpersonal sieht, dass es ein Bike ist. In der Hoffnung, dass dann zum einen generell vorsichtiger als bei einem "anonymen" Karton damit umgegangen wird und zum anderen ist es kaum möglich auf ein eingestretchtes Bike anderes Gepäck so zu stapeln, wie es mit einem Karton möglich ist, so dass das Bike aller Wahrscheinlichkeit auf dem anderen Gepäck oben drauf liegen wird.
  4. Der Transport zum Flughafen gestaltet sich einfacher und günstiger. Da ich das Bike Schultern kann und nicht einen großen unhandlichen Karton bewegen muss, kann ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt einem teuren Shuttle zum Flughafen fahren. Auf dem Rückweg werde ich auch an-testen wie gut es klappt, wenn ich erst am Flughafen das Bike verpacke. Dann kann ich sogar bis dort "per pedalis" reisen.

Bange machte mir auch die Anzahl an Powerbanks und sonstigen Akkus für die Navigation, Smartphone und Actioncam.

Tatsächlich war die Anzahl dann aber doch egal, auch wenn die Airline bei ihrem Onlineauftritt eine Begrenzung auf zwei Akkus vorgesehen hat (Strenger als eine EU-Richtlinie, die lediglich auf die Gesamtkapazität, aber nicht auf Stückzahl ausgerichtet ist).
Das Sicherheitspersonal monierte lediglich, dass ich die Akkus nicht so stapeln sollte, da dies dazu führt, dass auf dem Scanner nur ein dunkler Block erscheint und eine manuelle Nachkontrolle notwendig wird.

Überrascht bin ich über das geringe Gewicht meines Gepäcks. Dadurch, dass ich ein paar Sachen am Bike mit anbringen konnte, war es nicht mehr nötig extra Gepäck mit aufzugeben. Alles andere passte ins Handgepäck.
Selbst mein Fullfacehelm ergab kein Problem als zusätzliches Handgepäck. Die Dame am Check-In meinte auch dazu, dass der Helm so oder so mit in die Kabine muss. Begründung ist, dass alles unter 5kg auf den Fließbändern nicht transportiert werden kann. Die Gefahr, dass der Helm im System irgendwo rausrutscht oder runterfällt, etc. sei zu groß bei dem geringen Gewicht.

Im Flugzeug ging alles gut, die Sonne ging auf und Zeigte uns den Weg =)
Bin etwas müde, da ich dank Vorfreude auf meine neue Reise in der letzten Nacht nicht viel schlafen konnte. Ohrstöpsel konnten zwar das laute und tretende Kind hinter mir nicht zu 100% ausblenden, aber letztlich konnte ich ein wenig schlafen. Mein neuer "Trick" ist es, am Fenster zu sitzen und den Kopf an der Boardwand anzulehnen. Klingt etwas freaky, aber hierdurch gab es eine Schallübertragung vom vibrierenden Antrieb - ein permanentes Grundrauschen, welches vieles von Hinten überdeckte.

Batman hat sein Auto auch mitgebracht!

Bei der Ankunft konnte ich zufällig zusehen, wie mein Bike ausgeladen wurde. Ich tu mich schwer zu definieren ob damit nun vergleichsweise gut oder schlecht umgegangen wurde. Am Ende sind jedenfalls die Kabelbinder, welche die Laufräder fixierten, gerissen.

Insg. war es wohl keine schlechte Idee, den Transport so zu machen. Bin gespannt wie es auf dem Rückflug wird. Damit ich auf dem Rückflug genauso verfahren kann, hab ich den Rest der Stretchfolie auch mitgenommen. Stretchfolie und Noppenfolie hab ich dann ca. 1km vom Flughafen in einem Gebüsch versteckt. Ich bin gespannt ob das in 9 Tagen noch da sein wird =)

Das Wetter ist super und ich düse direkt nach dem Zusammenbauen des Bikes los. Da ich das Bike direkt im Flughafen in der Ankunftszone zusammenbaute, haben natürlich hunderte Menschen in der halben Stunde zugeschaut =)

Ziemlich schnell fällt mir der Temperaturunterschied zur Heimat, gepaart mit wochenlangem Nicht-Biken zur Last. Ich bin schon nach wenigen Höhenmetern fertig mit der Welt. Aber was solls, ich habs ja nicht eilig und noch 9 Tage vor mir.

Der Plan war, nachdem ich mir die Stadt Telde anschaute, direkt zum nächsten größeren grünen Fleck Erde zu fahren um dort zu nächtigen. In Telde gab es ein leckeres Eis zur Stärkung. Ich hab mich nicht viel umgeschaut, evtl. ist das der Grund warum ich keinen bleibenden Eindruck von der Stadt habe.
Angekommen am "Tal der Turmadler" wurde ich dann von einer üppigen Flora überrascht. Der Weg bis dorthin war großteils karge Felsenwelt. Und jetzt finde ich das krasse Gegenteil. So schön das auch ist, so problematisch wird es für mich. Es ist derart zugewachsen und durchwachsen, dass ich keine Möglichkeit zum Übernachten finde. Da es erst 18 Uhr ist, obwohl hier gerade die Sonne verschwindet, beschloss ich den Wanderweg durch dieses Tal zu nehmen um weiter nach einem Übernachtungsplatz zu suchen.

Nunja, es war keine gute Idee. Der Wanderweg war sehr schwer mit voller Ausrüstung und in Richtung Bergauf zu meistern. Viele Stellen, bei denen ich Bergab ohne Ausrüstung schon Respekt hätte. Teils über Bäche und an kleinen Wasserfällen vorbei, häufig so eng, dass ich das Bike vor mir herschieben musste. Ab und zu so Steil und Felsig, dass ich das Bike Schultern musste, statt es neben mir zu schieben. Gerade mal 30min später ist es stockdunkel und man sieht den Sternenhimmel.

Das krasse Gegenteil von einem Sonnenuntergang wie ich ihn in den schottischen Highlands erlebt habe.
Gegen 22 Uhr wurde es noch schwieriger die richtigen Abzweigungen zu finden. Leider stimmt die Realität nicht mit der Karte überein. Mehrere Abzweigungen Enden mitten vor einer Felswand oder in einem großen Busch oder Kaktus. Ich musste immer wieder umkehren und eine neue Abzweigung austesten. Fernab von dem, was ich erwartete und mit der Aussicht noch über 150 Höhenmeter bis zur nächsten Straße durch Dickicht zu kämpfen, gab ich auf und überlegte schon einfach irgendwo auf einem Felsen im Sitzen ein wenig Schlaf zu holen. Körperlich total am Ende hab ich mich dann doch nochmal bewegt und eine klitzekleine Ecke gefunden.
Eigentlich zu klein und außerdem direkt am Wanderweg. Das ist keine gute Kombi und ich lass mich überraschen.

23:30 Uhr und im Hintergrund der tiefschwarzen Nacht höre ich einen reißenden Bach rauschen. Ich geh pennen, gute Nacht.

GPX-File Download: Link

1 Comment

  1. nabend

    endlich ;-)
    fängt ja schonmal sehr spannend an ;-)
    wie ja schon im tarp fred von dir aufgezeigt, finde ich deine nichtplanungsplanung viel ansprechender, so muss abenteuer sein!
    ich warte gespannt auf die fortsetzungen....

    liebe grüsse

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